Was lange währt…

Hannes Martens

Was lange währt…

So gut wie jeder kennt das Sprichwort „Was lange währt, wird endlich gut.“. Mit anderen Worten könnte man auch sagen, dass das Ergebnis die Mühe wert war und nach langer Zeit ein vorzeigbares Ergebnis erzielt werden konnte. Dieses Sprichwort passt so gut wie kein anderes zu dem Abschluss, der vor kurzem erst beendeten Tarifverhandlungen für den Bundestarifvertrag im Schornsteinfeger-handwerk. Nach nunmehr über 27 Jahren ist es dem ZDS endlich gelungen mit der Arbeitgeberseite eine vernünftige Regelung zum Ost-West-Angleich zu finden.

Doch so einfach wie sich das in ein paar Sätzen beschreiben lässt ist es nicht gewesen. Lange Zeit hat sich die Arbeitgeberseite geweigert ein konkretes Angebot zur längst überfälligen Angleichung zu machen. Andeutungen gab es viele und auch mündliche Zusagen, dass der Angleich gewollt ist und sicherlich bald erfolgen wird. Sobald es dann zu Verhandlungen kam dann sah es meist ganz anders aus. Sätze wie „Den Betrieben in den neuen Bundesländern geht es wirtschaftlich nicht gut!“ und „Die Lebensunterhaltungskosten im Osten sind viel geringer als im Westdeutschen Bundesgebiet!“ kamen dort als Argumentation auf die Tische. Das dies nachweislich nicht korrekt ist sollte jedem der schon mal im ostdeutschen Bundesgebiet unterwegs war oder dort Familie, Freunde und Bekannte hat wissen.

Es wird in Deutschland immer Ecken und Städte geben, in denen die Lebensunterhaltungskosten niedriger sind als anderswo, das gilt für den Westen wie für den Osten. Und als Gegenstück dazu gibt es Gebiete die eben teurer sind. So sind z.B. die Städte Rostock oder Berlin sehr begehrt bei den Bürgern und dementsprechend hoch sind auch die Preise dort. Und auch die Wirtschaftlichkeit der Betriebe im Osten sieht nicht so schwarz aus wie gesagt wurde. Seit dem Wegfall des Monopols und der Einführung von privatrechtlichen Nebenarbeiten hat jeder Betrieb seine Einkünfte selbst in der Hand und kann die Preise anpassen. Wie kann ein Betriebsinhaber es rechtfertigen von einem Mitarbeiter zukunftsorientierte und vernünftige Arbeit verlangen, wenn er im Nachbarbundesland für die gleiche Arbeit weitaus mehr Lohn erhalten würde.

Dass es nun so lange gedauert hat, mag zum einen an der oben beschriebenen Haltung der Arbeitgeber liegen, zum anderen aber auch an den Arbeitnehmern des Handwerks. Viel zu lange Zeit war die Organisationsdichte in den neuen Bundesländern weit unter dem was man benötigt hätte um Druck auf den Arbeitgeberverband ausüben zu können. Und wenn man durch Mitgliederzahlen keine vernünftige Basis hat, dann sind Verhandlungen schon bevor sie überhaupt begonnen haben sehr schwer.

 In den letzten Jahren wurde viel daran gesetzt den ZDS zu verbessern und vor allem zu zeigen, wie wichtig es ist ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Sei es nun die Unterstützung des ZDS wenn Unstimmigkeiten auf dem Lohnzettel entdeckt werden, die schnelle Informationsübermittelung über Veränderungen bei gesetzlichen Regelungen, die Unterstützung schon in der Ausbildung durch kostenlose Angebote zur Vorbereitung auf Prüfungen oder ganz einfach die Vernetzung mit Kollegen aus seiner Umgebung bzw. seiner Untergliederung um sich über das Handwerk austauschen zu können. Es gibt sehr viele Aspekte, die auf den ersten Blick nicht auffallen aber den ZDS als Gewerkschaft besonders machen. Und durch den unermüdlichen Einsatz der vielen Kollegen in Vorstandsämtern der Untergliederungen in den neuen Bundesländern ist es gelungen Arbeitnehmer zu überzeugen, dass der ZDS Sie braucht um mehr Gerechtigkeit und Solidarität im Handwerk zu schaffen. Letztendlich war die organisationsdichte so hoch und damit der Druck auf den Arbeitgeberverband so stark gewachsen, dass die vorliegende Einigung erzielt werden konnte. Mit einer festgeschriebenen Angleichung zum Jahr 2020 haben wir die lange Reise des Ost-West-Angleichs geschafft.

Am Ende hat sich gezeigt, dass das Motto einer für Alle und alle für einen nicht nur eine leere Phrase ist, sondern aktiv bei uns im ZDS gelebt wird.

Hannes Martens

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